1,2,3 from New York to Germany – Brownbag Session im Stadtplanungsamt München mit Ralph Blessing, Deputy Director of City Planning in NYC

From New York to Germany

Ralph Blessing, Deputy Director of City Planning in NYC, zu Gast im PlanTreff des Referats für Stadtplanung und Bauordnung München

Eine Mittagspause mal anders. Der Deputy Director of City Planning aus New York City Ralph Blessing hat uns im Planungsreferat in München besucht und von seiner Planer-Realität straight outta US east coast erzählt. Die Brownbag Session ist ein lockeres, informelles Meeting während der Mittagszeit. In Amerika ist es üblich, seine Brotzeit in einer braunen Tüte mit zur Arbeit zu nehmen. Bei einer Brownbag Session ist jeder dazu eingeladen, seine Brotzeit mitzubringen und während des Vortrags zu essen. Das ist im Planungsreferat nicht so ganz angekommen. Wahrscheinlich haben sich die meisten nicht so recht getraut, denn wie haben wir in der Schule gelernt, wenn jemand was vorträgt, isst man nicht, sondern hört aufmerksam zu. Nur vereinzelt haben sich ein/zwei Zuhöhrer getraut, ihre Semmel auszupacken.

New York City, Glamour, Skyline, Hipster, Mode, Schöne Menschen, Bronx, Central Park, Film, Ratten in der U-Bahn… Tausend Assoziationen kommen einem in den Sinn. Da ist es schon sehr cool, einen Berufs-Spezl zu Gast zu haben, der mal ein bisschen was von der auch eher unglamourösen Verwaltungsarbeit erzählt. New York hat ca. 8 Millionen Einwohner, das sind so viele wie München, Frankfurt, Berlin und Hamburg zusammen. In dieser riesen Stadt gibt es keine Bebauungsplanung so wie wir sie hierzulande kennen. In Deutschland gibt es den Flächennutzungsplan, der für das ganze Stadtgebiet gezeichnet wird und Flächen für Gewerbe, Wohnen, Sondergebiete, Grünräume etc. darstellt. Unsere Bebauungspläne, die konkrete Vorgaben enthalten, werden für kleinere Bereiche des Stadtgefüges erstellt, wenn eine Planungserfordernis vorliegt. In diesem Plan werden unter anderem die Höhe der Bebauung, die größe und Lage der Erschließung, die technische und soziale Infrastruktur rechtsverbindlich festgelegt.  Der Bebauungsplan muss dann auf den Flächennutzungsplan aufbauen, das heißt, liegt das Gebiet in einem Bereich, der für Wohnen vorgesehen ist, so muss der Bebauungsplan hier ebenfalls Wohnen festsetzen, ansonsten muss auch der Flächennutzungsplan an dieser Stelle geändert werden…

So etwas kompliziertes gibt es in NYC nicht. Die Stadt wird aber ebenfalls in verschiedene Nutzungsbereiche eingeteilt, sogenannte Zoning Districts: Residents, Commercial, Manufacturing. Diese einzelnen Zonen sind dann wieder spezifisch unterteilt und regeln die Bebauungsdichte in lower-, medium- and higher-density residence, commercial and manufacturing. Bauvorhaben werden dann im Einzelnen geregelt und an die Umgebung angepasst. Reden wir von Dichte, geht es in New York natürlich mit ganz anderen Maßstäben zu als bei uns. Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt das Verhältnis der gesamten Geschossfläche aller Vollgeschosse der baulichen Anlagen auf einem Grundstück zu der Fläche des Baugrundstücks an. Die Maximale GFZ für ein Wohngebiet in Deutschland beträgt 1,6 in Kerngebieten, wie den verdichteten Innenstädten, 3,0. In New York beträgt die maximale GFZ derzeit 12!!! und soll, nach Meinung von Ralph Blessing, weiter ansteigen. zh_zone_lot_New York Air rights, http://www1.nyc.gov/site/planning/zoning/glossary.pageDer Trump-Tower zum Beispiel hat eine GFZ von 20 – und das ist legal. Nicht nur weil alles, was Trump tut sowieso legal ist (Sarkasmuskeule), sondern weil es innerhalb eines zusammenhängend bebauten Blocks möglich ist, nicht ausgenutztes Baurecht zu verkaufen. Sprich, wenn dein direkter Nachbar theortisch 40 Geschosse bauen darf, praktisch aber nur 20 gebaut hat, kann der dir die übrigen, nicht verbauten Meter verkaufen. Diese sogenannten Air Rights hat sich Mister Trump erkauft. Grundsätzlich gilt, je kleiner der Fußabdruck des Gebäudes, desto höher darf gebaut werden.

zh_far_100, http://www1.nyc.gov/site/planning/zoning/glossary.page

zh_far_50, http://www1.nyc.gov/site/planning/zoning/glossary.page

zh_far_25, http://www1.nyc.gov/site/planning/zoning/glossary.page

 

 

 

 

Um zu gewährleisten, dass in Manhatten bei den ganzen Wolkenkratzern auch noch immer ein Sonnenstrahl bis zum Boden dringen kann, gibt es die Sky Exposure Plane, die vorsieht, dass ab einer bestimmten Höhe eines Gebäudes, die restlichen Geschossen stufenartig zurückspringen.

zh_sky_exposure_plane, http://www1.nyc.gov/site/planning/zoning/glossary.page

Grobes Fazit:
Es ist immer gut Input von anderen Städten und auch anderen Ländern zu bekommen. Viele unserer Strukturen sind festgefahren, da brauchen wir neue Gedanken und Anstöße. Ob in New York alles so easy cheesy läuft, wie uns Herr Blessing erzählt hat, wissen wir auch nicht. Viele Fragen sind nach einem knappen Vortrag natürlich nicht geklärt: Was ist mit dem Naturschutz? Welchen Stellenwert hat der Naturschutz in der Planung? Gibt es Zauneidechsen in New York? (Dieser Insider muss sein). Wie genau funktioniert Bürgerbeteiligung im Big Apple? Gibt es ein nationales Baurecht, ähnlich dem unseren Baugesetzbuch?
Fakt ist aber, die Stadt macht einiges richtig. Im Vergleich zu anderen US amerikanischen Großstädten ist die Verwaltung sehr sozial orientiert. Zukünftig soll es mehr günstigen Wohnraum für Geringverdiener geben. Außerdem ist der öffentliche Nahverkehr sehr gut ausgebaut und nicht mal die Hälfte der Einwohner bewegt sich mit dem eigenen Auto fort. Da können wir uns definitv mehrere Scheiben davon abschneiden, denn mit höheren Baudichten, die auch bei uns in Deutschland zunehmen werden, stellt sich auch immer mehr die Frage, wo können die Autos der Bewohner hin. Der öffenltliche Raum ist zu wertvoll für lange Blechparaden, 10-geschossige Tiefgaragen können dann nicht die Lösung sein.

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