Aktuell: Alle für Kalle – Musterfall gegen Luxussanierungen und Zwangsräumungen

Unter dem Motto „Alle für Kalle“ fand gestern im Kölner Agnesviertel eine Demonstration in Form eines Straßenfests und Blockaden statt. Hintergrund war die geplante Zwangsräumung der Wohnung von Kalle Gerigk, der seine Wohnung aufgeben musste, weil der Eigentümer Eigenbedarf anmeldete, um das Mehrfamilienhaus gewinnbringend zu verkaufen.

Link Kölner Anzeiger

Link Welt.de

http://demonstrare.de/wp-content/uploads/2014/03/facebook-titelbild-alle-fuer-kalle.png, 2014

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Die Initiative „Recht auf Stadt“ sagte, der Protest richte sich auch stellvertretend gegen die generelle Verdrängung von Mietern in beliebten Vierteln. Kalle lebte bis gestern seit über 30 Jahre in der Innenstadt und möchte sich als alteingesessener Bewohner nicht leichtfertig verdrängen lassen. Gentrifizierung ist das Stichwort, das die Verdrängung von ärmeren Bevölkerungsgruppen durch wohlhabendere Bewohner beschreibt. Luxussanierungen und Mietpreissteigerungen gehen dabei Hand in Hand.

Ein zweites Stichwort der Thematik ist die Reurbanisierung. Der Trend geht zurück in die Innenstadt. Die Kleinteiligkeit und die hohe Nutzungsmischung sind attraktiv für Kreative und junge Leute, die eine große Auswahl an unterschiedlichen Angeboten fordern und suchen. In den meisten deutschen Großstädten herrscht ein wahnsinnig hoher Wohnungsdruck. Die Nachfrage nach bezahlbarem, innenstadtnahem Wohnraum ist eine große Aufgabe für die Städte – generell der Bau von bezahlbarem Wohnungsraum.

Das Baugesetzbuch sagt in diesem Zusammenhang, dass eine Erhaltungssatzung über bestimmten Gebieten erlassen werden kann, um die Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebiets, also die Baustruktur, zu erhalten und nicht zu verändert. (§ 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB). Oder die Erhaltungssatzung wird erlassen, um den Milieuschutz zu gewährleisten, das heißt die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung, wie sie zum diesem Zeitpunkt ist, zu erhalten (§ 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB) – definitiv eine Möglichkeit, der Gentrifizierung entgegenzusteuern, um eine gesunde Durchmischung in den Stadtteilen zu erreichen und zu halten. Stellt sich nur die Frage, ob dies auch gewollt ist und konsequent verfolgt wird, oder der wirtschaftliche Aspekt dann doch überwiegt?

 

Für Kalle war gestern definitiv Schicht im Schacht: Er musste seine Wohnung räumen, das konnten auch die rd. 100 Demonstranten nicht verhindern. Trotzdem fühlt er sich als Gewinner, da der Fall weltweit für Aufsehen gesorgt hat und die Diskussion über den Gentrifizierungsprozess weiter ankurbelt.

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