Einst ging ich am Ufer der Donau entlang…

Ein schlafendes Mädchen fand ich nicht, aber eine Donau im Dornröschenschlaf, überwuchert mit wildem Gestrüpp. Ingolstadt an der Donau, so sagt man. Ja, richtig, Ingolstadt liegt an der Donau, aber so wirklich spüren tut man das erst, wenn man zufällig aus verkehrstechnischen Gründen über eine der Donaubrücken fahren muss. Irgendwie ein vertrautes Bild: Geschäftiges Treiben von einem Brückenende zum anderen und das Wasser fließt unten klammheimlich und leise Richtung Osten, ohne so wirklich beachtet zu werden. Man hatte sich schon fast daran gewöhnt, dass die Donau hier ihr Dasein fristet. Aber manchmal hat sie es satt, so stiefmütterlich behandelt zu werden und unbeachtet dazuliegen. Dann türmt sie sich auf, macht sich groß und steigt über die Ufer. So als würde sie sagen: Schaut her! Es gibt mich! Ich bin da, also nehmt mich wahr und nutzt mich! Tatsächlich gibt es bei genauerem Hinschauen Spuren menschlicher Anwesenheit an den Uferseiten. Da sind Trampelpfade und provisorische Treppenstufen, die ans Ufer führen. Sollte es möglich sein, dass die Bewohner Ingolstadts Kontakt zu dem Fließgewässer aufnehmen wollen? Folgt man den Spuren, führen sie auf der einen Seite in die grüne Gestrüpphölle, auf der anderen Seite gehen sie in einen befestigten Pfad über und enden an einer als Amphitheater angelegten Bühne, dem heutigen Donaustrand, an dem Liegestühle bereit stehen und ein sogenanntes zweitklassiges Floß Bootsatmosphäre suggerieren soll. Also doch! Es gibt sie, die Menschen, die ans Wasser wollen und sich nicht damit zufrieden geben, den Fluss von oben herab anzusehen, wie einen Kanal.

Südufer - Provisorische StufenGrüne Hölle

Donau - Trampelpfad am SüduferTrampelpfad und FußwegWarum hat die Stadt Ingolstadt das große Potenzial ihrer Donau bis jetzt nicht genutzt? Jede andere Stadt ohne direkten Bezug zum Wasser, würde sich alle zehn Finger nach einer solchen Option schlecken. Der Fluss fließt direkt an der Altstadt vorbei und stellt eine große Chance im Stadtgefüge dar. In den letzten Jahren hat sich zumindest das Bewusstsein der Ingolstädter verändert und mittlerweile werden Angebote an der Donau regelrecht gefordert! Die Wünsche reichen von konventionellen Ideen, wie zum Beispiel einer Uferrenaturierung und gastronomischen Angeboten, bis hin zu einer stehenden Surferwelle oder einem Restaurantboot. Egal wie realistisch oder eben unrealistisch diese Ideen im ersten Moment sind, sie zeigen, dass es ein großer Wunsch der Bewohner ist, näher an das Wasser zu rücken, die Donau zu erleben und als festen Bestandteil der Innenstadt mit Orten unterschiedlichsten Charakters zu verknüpfen. Auch Initiativen wie die Donau Man – Die Freunde der Donau haben sich gegründet und treiben diese Forderungen weiter voran.

Donaustufen am Nordufer

Bisher ist es schwer, das Ufer der Donau zu erreichen. Nur an wenigen Stellen gibt es die Möglichkeit, direkt ans Wasser zu gelangen. Meistens ist es aber gar nicht möglich, da die Donau abschnittsweise sozusagen kanalisiert wurde, um Hochwasser vorzubeugen. Schade ist auch, dass vom Südufer der Donau keine Stadt-Silhouette zu erkennen ist. Die hochgewachsenen und dichten Bäume verhindern die Wahrnehmung des Wassers im Zusammenhang mit der Stadt. Auch von der Stadt aus kann man das Wasser deshalb nicht sehen. Natürlich ist alter Baumbestand und wilde Natur etwas Positives und unbedingt erhaltenswert! Es wäre allerdings einen Gedanken wert, zu Gunsten der Verbindung des Wassers mit der Stadt das dichte Grün stellenweise auszudünnen, um den Blick auf’s Wasser und auf die Stadt freizugeben und um Raum für Aktivitäten am Wasser zu ermöglichen, oder? Außerdem ist die individuelle Silhouette der einzelnen Stadt ihr Alleinstellungsmerkmal und wichtiger Aspekt für die Stadtidentität.Finde die Stadt

Donaulände oder Verkehrslände am Nordufer?Auch in einem früheren Beitrag über das Pariser Seine-Ufer haben wir berichtet, wie die Pariser ihr Ufer zurückerobert haben. Die Seine ist an dieser Stelle kanalisiert und zeigt, was für Nutzungen entstehen können.

Die Donau und die Nutzung der Ufer ist ein ständig wiederkehrender Diskussionspukt, der zeigt, dass es dort was zu tun gibt. Die Donau ist da! Nutzen wir sie!

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