InGOLDcity VIII – Akzeptanz und Förderung

Dass moderne Firmen junge, kreative und gut ausgebildete Leute suchen, steht fest. Ebenso wie die Tatsache, dass Städte Kulturschaffende und Kreative brauchen, um weiche Standortfaktoren und damit das Image auszubilden. Denn so entsteht eine attraktive Ausstrahlungskraft für Zuzügler und Bürger. (Vgl. Grafe, 2011: 64)

Wie kann so ein komplexer Organismus wie Kreativwirtschaft und Nischenkultur gefördert werden?

Kreativität ist ein schwer zu fassender Begriff, der mit Unbeständigkeit und ohne gefestigtes Fundament einhergeht. (Vgl. Lange, et al., 2011: 10) Für Stadtverwaltung, Politik und Wirtschaftsförderung eine unsichere Branche. Außerdem ist Kreativwirtschaft ein sehr kleinteiliger, heterogener Organismus, der unstetig ist, sich ständig verändert und formt. Diese Komplexität macht es sehr schwer, sich mit der Szene auseinanderzusetzen und allgemein gültige Fördermöglichkeiten aufzuzeigen, weil es nicht den einen Ansprechpartner gibt. Dem kann man nicht mit bisherigen Verwaltungsstrukturen gegenüberstehen. Auf der einen Seite bedeutet Kreativwirtschaft für die Wirtschaftsförderung Potenzial zur Imagepflege. Andererseits sieht die Politik das als Kultur an, was sie selbst fördert. (Vgl. Grafe, 2001: 65) Hier müssen zunächst einmal die stadtpolitischen Akteure auf einen Nenner gebracht und zusammengeführt werden (vgl. ebd.). Bisher gibt es noch keine explizite Zuständigkeit für Kultur- und Kreativwirtschaft und auch keine Richtlinien zur Steuerung dieser Branche.

Was mit Sicherheit aktiv getan werden kann, ist, ein passendes Umfeld mit Anreizen und Freiräumen zu schaffen, um dann zu beobachten, was passiert, ohne die Gewissheit zu haben, dass überhaupt etwas innerhalb kürzester Zeit geschieht. Geduld ist also ebenfalls ein entscheidender Faktor, der aufgebracht werden muss.

Zu dem kommt hinzu, dass es elementar wichtig ist, sich auf die Szene einzulassen, sich mit ihrer Denkweise auseinanderzusetzen, verstehen, wie sie gestrickt ist und wie deren Produktionsprozesse ablaufen. Dabei braucht sie absoluten Freiraum, um ihrer Eigenlogik zu folgen und ihrer Dynamik freien Lauf zu lassen. Nur so kann Kreativwirtschaft Impulsgeber für andere Sektoren in der Stadt werden. Drängt man sie hingegeben von vorn herein in die Nische der Innovationsbringer und Imageverbesserer, die möglichst zügig ihre Ausstrahlungskraft entfalten sollen, wandert sie ab oder wird im Keim erstickt. (Vgl. ebd.)

Kürzungen des Etats des öffentlich geförderten Kultursektors bedeuten also immer auch Folgen für die informelle Kultur und damit auch für die wirtschaftliche Dynamik der Stadt.

Darüber hinaus gibt es eine Art Generationenkonflikt zwischen älteren Vertretern der Politik und Stadtverwaltung sowie den jungen Kreativen, die mit ihrer augenscheinlich unstrukturierten Arbeitsweise und den damit oftmals einhergehenden wechselnden Arbeitssituationen und -stätten bei der älteren Generation auf Unverständnis stoßen. Und diese gesetzte, etablierte Generation, deren Werte und Einstellungen sich nicht mehr ganz mit denen der jungen Generation decken, ist in vielen politischen und verwaltungstechnischen Bereichen federführend. (Vgl. Lange, et al, 2011: 13) Da ist ein Konflikt schon vorprogrammiert, da unterschiedliche (Lebens-)Einstellungen aufeinanderprallen, die ein mühsames Herantasten voraussetzen, da es zunächst kaum gemeinsame Kommunikationsebenen gibt. Zu bedenken ist auch, dass viele kreativ Tätige sektorenübergreifend und sowohl informell als auch innerhalb der etablierten Kultur tätig sind. Kürzungen des Etats des öffentlich geförderten Kultursektors bedeuten also immer auch Folgen für die informelle Kultur und damit auch für die wirtschaftliche Dynamik der Stadt. (Vgl. ebd.) Wie erreicht man nun aber den heterogenen, unstetigen Organismus der Kreativwirtschaft?

Bisherige Verwaltungs und Politikstrukturen müssen sich verändern und öffnen.

Zunächst müssen alle Akteure der relevanten, politischen Ebenen zusammengebracht werden und auch zusammenarbeiten: Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Kulturförderung, Verbände, Kammern. Aber auch Hochschulen sowie die Bildungs- und Sozialpolitik müssen mit der Szene in Dialog treten. Das hat zur Folge, dass bisherige Verwaltungs und Politikstrukturen sich verändern und öffnen müssen, da die bisherigen hierarchischen Strukturen im Zusammenhang mit Kreativszene nicht funktionieren. (Vgl. ebd.) Damit geht auch einher, dass eine neue Profession ins Leben gerufen wird. Nämlich die des Vermittlers zwischen allen Parteien. Dieser muss von allen Akteuren akzeptiert sein, soll aber seitens der Szene nicht als Stadt oder Verwalter wahrgenommen, sondern als Partner und Berater gesehen werden. Er übernimmt die Aufgabe, Entwicklungsprozesse zu moderieren und eben zwischen allen Parteien zu vermitteln sowie als Anlaufstelle und Sprachrohr für die Szene zu dienen. (BMVBS, 2012: 17)

Innerhalb der Stadtverwaltung könnte ein neues Referat für Nischenkultur etabliert werden, das über einen eigenen Förderrahmen verfügt und Nischenkultur gezielt fördert und als Gelenk zwischen Verwaltung und Kreativen vermittelt. Ebenfalls müsste die Presse diesen Prozess aktiv unterstützen und zeigen, wie andere Städte mit informeller Kreativwirtschaft umgehen und welche Bereicherung sie für eine Großstadt darstellt. Die Medien müssen das Bewusstsein der Bürger für Nischenkultur sensibilisieren.

Wie Ingolstadt zu InGOLDcity werden kann, wird im kommenden, im aller letzten, finalen Artikel in sieben Schritten komprimiert zusammengefasst.

Bis dahin, einfach nochmal alles in einem Aufwasch lesen…

InGOLDcity I – Was macht eine Stadt attraktiv?

InGOLDcity II

InGOLDcity III – Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu

InGOLDcity IV – Lieblingsort oder Hassort

InGOLDcity V – Nischenkultur bedeutet…

InGOLDcity VI – diggin‘ for gold

InGOLDcity VII – für mutige Goldschmiede

one last time to be continued…

Quellen:
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
(Hrsg.): stadt:pilot spezial. Offene Räume in der Stadtentwicklung.
Leerstand – Zwischennutzung – Umnutzung. Berlin 2012

Grafe, Peter: Dynamische Stadt: Kümmerer für die Kulturwirtschaft
gesucht – zum Verhältnis von Stadt und Kulturwirtschaft, in:
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
(BMVBS) (Hrsg.), Kultur und Kreativwirtschaft in Stadt und
Region. Berlin 2011. URL: http://d-nb.info/1015315542/34
(abgerufen am 30.09.2014)

Lange, Bastian et al.: Kultur- Kreativwirtschaft in Deutschland, in:
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
(BMVBS) (Hrsg.), Kultur und Kreativwirtschaft in Stadt und
Region. Berlin 2011. URL: http://d-nb.info/1015315542/34
(abgerufen am 30.09.2014)

2 Gedanken zu „InGOLDcity VIII – Akzeptanz und Förderung

  1. Maxi Grabmaier

    Hätten die Menschen nicht die Fähigkeit, kreativ zu denken, dann säßen wir alle noch in Höhlen und würden mit Keulen auf wilde Tiere hauen und roh verspeisen. Ohne Sprache, Höhlenmalerei und Feuer. Wer auf der Höhe seiner Zeit bleiben will, muss neue, frische Ideen und Zivilisation zulassen und fördern. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Sonst hinkt eine Gesellschaft den Entwicklungen anderer hinterher. Wir brauchen in einer gut aufgestellten Gemeinschaft immer Bewahrer von Traditionen (die sich bewährt haben) UND Erneuerer, die uns voranbringen. Möglichst in einem konstruktivem Miteinander vereint.
    Dazu würde ich mir klar umrissene Projekte mit Teams (bestehend aus Bewahrern und Neudenkern) wünschen und die Ergebnisse dann dokumentieren und multiplizieren. Mittel und Räume zur Verfügung stellen. Experiment „Goldene Zukunft“: Indem man positive Kräfte bündelt anstatt gegeneinander zu stellen. Dies wäre auch für außenstehende Betrachter/Medien spannend und eventuell modellgebend.

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  2. petra kleine

    Immer wieder gut! Ich habe den Beitrag via K10 weiter verbreitet und denke, man muss die konkreten Vorschläge daraus in die Diskussion zur Förderung der Kreativwirtschaft einbringen. Die Zusammenhänge von Kulturarbeit, Szene, Wirtschaft sind wichtig und großartig, dass ihr hierzu den fundierten Input gebt.
    Bin auf den nächsten Beitrag gespannt mit den sieben Schritten!
    kretaive Grüße
    Petra
    http://www.k10net.de/andere-kreativbereiche/item/701-blog-stadtraumleben-kreativwirtschaft-und-nischenkultur-in-ingoldcity.html

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