Ins Offene! Von Träumen und Visionen

Ach was war das doch für ein magischer Abend letzten Samstag!? Das Theater Ingolstadt hat ja bereits angekündigt, dass es mal wieder ein großes Spektakel zur Spielzeiteröffnung geben soll, aber der fulminante Stadtspaziergang hat alle Erwartungen übertroffen!

Es ist kurz vor acht, Meetingpoint Donaustrand. Wir und 100te andere nähern sich dem Geschehen und bereits auf dem Weg dort hin erkennen wir die stimmungsvolle Uferbeleuchtung. Alles ist in warmes Licht getaucht und im Zusammenspiel mit der Abenddämmerung entsteht eine wahnsinnig magische und anrührende Atmosphäre. Man möchte einfach nur stehen und staunen. Aber es gibt ja noch so viel mehr zu sehen!! Also leider nichts mit lange Verweilen, sondern auf ins Getümmel!Doanau-UferObelisk

Eine große Traube hat sich am Donausteg gebildet und will sich auf die Reise „Ins Offene!“ begeben. Auf dem Obelisken neben dem Steg stehen die Abreisezeiten ins Schlaraffenland oder auf die Glückseligen Inseln und ein Chor verabschiedet uns mit den bittersüßen Zeilen von „Auld Lang Syne“ in eine längst vergangene Zeit, oder in eine Traumwelt? Die Freiheitsstatue sinkt langsam auf den Donaugrund, nur die drei Zacken ihrer Krone blitzen noch auf, als wir uns langsam vorwärts bewegen und mit ihr unsere Zeit und Welt zurücklassen. In der Mitte des Stegs angekommen, empfangen uns hunderte Lichter auf der Donau und ein Herrenchor auf einem Boot unter der Brücke begleitet unseren Weg hinüber ans andere Ufer. Dort werden wir auf unsere Reise nach Atlantis vorbereitet: „Halten Sie Ihre Taucherbrillen Klenzepark, Donaubühnebereit!“ Doch jeder, der die Sage kennt, weiß, dass Atlantis innerhalb weniger Stunden untergegangen ist. Da helfen also auch keine Taucherbrillen und Badeanzüge mehr. Also schnell weiter!

Gemütliche BushaltestelleFür das Naturtheater Oklahoma werden noch Ensemblemitglieder gesucht und jeder, der sich der Aufgabe gewachsen fühlt, kann auf der großen Bühne sein Können unter Beweis stellen. Alles ist erlaubt, um dem Intendanten, dem sympathischen Joker, zu imponieren. Als wir dort ankommen, versucht gerade eine ambitionierte Poetry Slammerin ihr Glück. Sie sinniert von der Wichtigkeit des authentischen deutschsprachigen Raps und Hip-Hops, in einer Zeit, die musikalisch weichgespült und verkünstelt ist, wo sich Nackte auf „Wrecking-Balls“ räkeln und man sich schon ab und zu fragt: What does the fox say?! Einfach grandios, dieser Auftritt!! Natürlich ist sie damit aufgenommenes Ensemblemitglied. Neben an, in dem heimeligen Bushäuschen, lauscht ein älteres Pärchen dem Geschehen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Nicht nur dieses Bild hat sich stark eingeprägt. Es ist definitiv ein Abend der visuellen Inszenierungen. Bildgewaltige Visionen wurden kreiert und lassen die wildesten Assozationen entstehen. Gesellschaftskritische und politische Anspielungen, aber auch Zauberwelten, in denen wir als Kind unsere Traumreisen verbracht haben. Auch wenn man nicht jede Installation auf anhieb versteht, so ist allein die Verbindung von Licht und Schatten, Gesprochenem Wort und erzeugtem Bild ein Erlebnis.

Mahagonny BarWeiter geht die Reise durch’s Schlaraffenland mit einem Nusshörnchen für den gefährlichen Weg am Narrenschiff vorbei, das mit Säbelrasseln und großem Holterdiepolter seine Runden zieht. An der Mahagonny Bar, in der leichte Mädchen schwere Arien singen, werden wir von einem zwielichtigen Autoverkäufer in Beschlag genommen, der auf seinem Autofriedhof noch die letzten Schrottkarren zu Geld machen will.

WohnkäfigLampenschirm Litfasssäule

 

 

 

 

 

 

 

Angekommen auf dem Theatervorplatz ist das „Oh“ und „Ah“ dann groß. Eine grüne Kulisse tut sich, auf dem sonst so urbanen Platz, auf. Erst fließt da ein riesiger Wasserfall vom grün/blau schimmernden Theaterdach herunter. Dann steht da seelenruhig eine Kuh und scheint sich kein bisschen über ihre Situation zu wundern. Lagerfeuer verteilen sich auf dem gesamten Vorplatz, es wird Stockbrot gegrillt und ein Schafgehege vervollständigt die utopische Vision der aufgebrochenen und ent-betonierten, maximal-grünen, autarken Stadt. Leider geht diese starke Vision im Hunger- und Durst-Wahn der Besucher etwas unter, denn gefühlt jeder Zweite muss jetzt unbedingt eine Bratwurstsemmel haben. Die für die Gastronomie aufgestellten Biertische und die von ihnen angezogenen, nicht eingeweihten Muggel, die sich heimlich eingeschlichen haben, zerstören dabei ein wenig das so kunst- und mühevoll errichtete Bild und wir werden nach dem zeitlosen Spaziergang in der Traumwelt wieder abrupt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Früher oder später wäre das aber leider sowieso passiert.

Das Theater hat einen fulminaten und spektakulären Auftakt inszeniert der seinesgleichen sucht! Mit bemerkenswertem Aufwand, viel Herz, liebevoller Kleinarbeit und der Zusammenarbeit von Theater, Vereien, Chören, Institutionen und lokalen Künsterln wurde eine Welt geschaffen, die uns für eine Nacht verzaubert und getragen hat. Ganz nebenbei wurde das Areal um das Nord- und Südufer der Donau und des Theaters in neuem Licht dargestellt und lässt losgelöste Ideen sowie Bilder an der Donau im Zusammenhang mit der Stadt und dem Stadtmobiliar zu. Applaus, Applaus für diese gelungene Reise!

WasserfallLeuchtpilzTheater-Voralpenland

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