Körnermagazin Ingolstadt – Hopp oder Top?

Das Körnermagazin hat in der jüngsten Vergangenheit für viel Aufsehen gesorgt. Vor allem in der Kulturszene ist das Gebäude positiv besetzt und ein zentraler Ort der Kreativwirtschaft in Ingolstadt. Deshalb ist es definitiv mindestens einen Blogpost wert.

Die bisherige Geschichte in der Kurzfassung:

Zu den Rahmenbedingungen: Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz und der Eigentümer Jürgen Kellerhals, Sohn des Media-Saturn-Holding-Gründers Erich Kellerhals, hat das Gebäude in den letzten 20 Jahren dem Verfall überlassen, um schließlich den Abriss des Komplexes zu beantragen und Raum für lukrative Neuplanungen zu schaffen. Man muss dazu sagen, dass die Lage des Körnermagazins unschlagbar ist – mitten in der Innenstadt, fußläufig von der Hochschule und dem Neuen Schloss erreichbar. Der versierte Immobilienwirtschaftler würde sich alle zehn Finger nach einem solchen Standort lecken: Lage, Lage, Lage!

Da die Stadt Ingolstadt das Gebäude als historisch bedeutend und wichtigen Standort für die Kulturlandschaft der Stadt ansieht, hat sie den Denkmalschutz mit ins Boot geholt (leider erst so spät), um die vorhandene Bausubstanz zu bewerten und anschließend natürlich positiv einzuschätzen. Das ist dann auch so passiert: Das Körnermagazin wurde als DENKMALWÜRDIG eingestuft. Ein Abriss wäre demanch also nicht möglich. Der Eigentümer wollte das nicht so hinnehmen und reichte prompt Klage gegen die Einstufung beim Verwaltungsgericht ein. Außerdem hat er einen amtlich bestellten Sachverständigen aus Hamburg beauftragt, das ehemalige Körnermagazin in Augenschein zu nehmen und dessen Erhaltenswürdigkeit einzuschätzen – mit dem Gegenergebnis: NICHT DENKMALWÜRDIG. Jetzt kommt die Krux an der ganzen Sache: Das Verwaltungsgericht hat dieser Klage Recht gegeben. Hauptgrund dafür: Laut Verwaltungsgericht sei die Bausubstanz größtenteils nicht alt genug, um als Denkmal eingestuft zu werden. Zusätzlich hat das Gericht verordnet, dass eine Berufung nicht möglich ist. Das macht es jetzt umso schwerer für die Stadt, weitere Instanzen anzurufen. Und trotzdem hat sie sich dazu entschieden, den Versuch zu wagen und Berufung einzulegen um einen Abriss zu verhindern.

Und dafür gibt es gute Gründe, wie wir finden!

Das ehemalige Körnermagazin ist ein wesentlicher Bestandteil in der Geschichte der Stadt. Nach der Fertigstellung 1908 wurde es als Getreidelager genutzt. Ab 1949 wurde der Komplex zur Motorradproduktion sowie als Zentralarchiv der Audi AG in Betrieb genommen. In den vergangenen Jahren fanden Künstler, Musiker und Agenturen Raum für Ateliers, Arbeits- und Proberäume für Kreatives und Innovatives. Die Bauweise und das Erscheinungsbild des Körnermagazins sprechen eine für Ingolstadt einzigartige Architektursprache und sind bestimmt erhaltenswertes Baukulturgut des vergangenen Jahrhunderts. Außerdem sind solche undefinierten Orte ganz wesentlich im Stadtgefüge, denn sie können zu Szeneorten mit eigener Identität und zu Nischen verschiedenster Nutzergruppen werden. Und wenn man bedenkt, dass ein paar hundert Meter weiter am Gießereigelände gerade ein modernes, städtebauliches Statement in Form eines Kongresshotels, der Erweiterung der Technischen Hochschule und die neue Akademie von Audi entsteht, erhält ein historisch gewachsenes, kulturell geprägtes Pendant doch noch eine andere Gewichtung, oder? To be continued…

Aktuell steht das Magazin übrigens leer. Vor vier Jahren musste das Gebäude komplett geräumt werden.

Habt ihr das Heckmeck um das Körnermagazin auch verfolgt, oder seid ihr erst jetzt so wirklich auf das Thema aufmerksam geworden? Hop oder Top Körnermagazin?

Ort für eigene Identität

Körnermagazin Betonständer-Bauweise

Körnermagazin Betonständer-Bauweise

Gießereigelände im Umbau

Wer Interesse an weiteren Infos hat, findet hier noch mehr Artikel zum Thema:

Augsburger Allgemeine und Augsburger Allgemeine 😉

Blickpunkt Ingolstadt

Rottenplaces

und hier ein Video vom Donaukurier.

 

2 Gedanken zu „Körnermagazin Ingolstadt – Hopp oder Top?

  1. Matthias

    Körnermagazin muss erhalten bleiben und eine vernünftige Nutzung gefunden werden. Ich finde die Lage neben dem Alf-Lechner-Museum perfekt für ein weiteres Kunstmuseum oder eine lebendige Gallerie mit Ateliers und Live-Kunst…! Außerdem entsteht das neue MKK gleich um die Ecke und Ingolstadt braucht mehr Anziehungspunkte. So ein Kunst-/Museums-Quartier würde sich sehr gut machen. Durch die räumliche Nähe wertet man auch das leider sehr stiefmütterlich betreute Alf-Lechner-Museum auf.

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  2. Pingback: InGOLDcity VI – diggin‘ for gold | StadtRaumLeben

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