Stadt und Raum – Urbane Refugien für den zeitgenössischen Stadtmenschen – Teil II

Vergangene Woche durften wir zum zweiten Mal als Gasthörer das Seminar STADT UND RAUM besuchen. (Hier haben wir euch von der ersten Veranstaltung berichtet).

Die zweite Veranstaltung stand unter dem Motto RAUM UND SCHUTZ. Die Studenten hatten die Aufgabe, einen Raum für einen Obdachlosen der in der Hochschule einen Unterschlupf für die Nacht sucht, zu entwerfen. Da der Mann sehr schüchtern ist und niemand bisher mit ihm gesprochen hat, wurde ihm der Name „Gast“ gegeben, weil er auch genau das ist. Die Hochschule ist eine öffentliche Einrichtung für jedermann, also auch für unseren Gast!

Wir möchten euch heute die Idee von Martina Hipp (Studentin im Master Stadtplanung an der Hochschule für Technik Stuttgart) vorstellen.

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Zu Beginn hat sich Martina mit den Fragen auseinandergesetzt, welche Anforderungen und Ansprüche unser Gast an seinen Schlafplatz stellt und welche Bedürfnisse er hat. Da der Gast vermutlich die meiste Zeit in der Öffentlichkeit verbringt, geht Martina davon aus, dass er nachts einfach mal abschalten will und deshalb Abgeschiedenheit und Ruhe sucht. Nachdem unser Gast den ganzen Tag der Witterung und im Winter auch der Kälte ausgesetzt ist, möchte die Studentin ihm für die Nacht ein Dach über dem Kopf anbieten, um ihn vor Wind und Wetter zu schützen. Das Leben auf der Straße macht außerdem einen unbequemen Eindruck, sodass der Gast in seinem Unterschlupf einen gemütlichen und komfortablen Ort erfahren soll. Da jeder Mensch über sein persönliches Hab und Gut verfügt, sollte der Schlafplatz auch Raum für diese persönlichen Dinge und ein wenig Ordnung bieten. Bei einem Leben auf der Straße muss der Gast ständig vorsichtig sein und auf sich und sein sein Hab und Gut acht geben. Deshalb möchte Martina ihm nachts auch ein Gefühl von Sicherheit geben. Weil der Gast sich eventuell auch ein wenig für seine Lebenssituation schämt, soll sein Rückzugsort möglichst anonym sein.

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Im nächsten Schritt hat sich die Studentin gefragt wie ein solcher Ort aussehen kann? Welche Kriterien erfüllt der Ort? Und wo befindet er sich?

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Der entwickelte Rückzugsort ist eine Art Container mit einem separaten Fach als Stauraum und einem kleinen Raum mit einer Liegefläche. Hier kann der Gast sein Hab und Gut sicher verwahren, seine Isomatte ausrollen und dort die Nacht verbringen. Zusätzlich gibt es in dem Raum noch eine Ablage für andere Kleinigkeiten.

Der Unterschlupf soll Teil der Umgebung werden und sich ihr unauffällig anpassen. Auch soll er einen Sinn ergeben und noch einen weiteren Zweck erfüllen.

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Die Idee ist, den Raum/das Objekt in einen Wegweiser zu transformieren. Er könnte so offensichtlich auf dem Campus stehen, dass ihn keiner mehr wahrnehmen würde. Den Studenten würde er als Wegweiser dienen und gleichzeitig würde er auch alle anderen außer den Gast weg weisen. Ein schönes Wortspiel, findet ihr nicht auch?

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Die anderen Seminarteilnehmer haben sich mit ganz ähnlichen Fragestellungen beschäftigt und tolle Ideen vom „Schwalbennest“ über eine „Muschel“ bis hin zu voll ausgestatteten kleinen „Wohnwürfeln“ entwickelt. Bei den Anforderungen, die der Gast an seinen Unterschlupf stellt, waren sich die Studenten im Großen und Ganzen einig: Privatheit, Schutz vor Witterung und Temperatur, Sicherheit, Anonymität, Abgeschiedenheit und Ruhe. Dafür waren sie sich bei der Frage der Mobilität des Schutzraumes umso uneiniger. Soll der Raum mobil sein und Freiheit und Unabhängigkeit bieten? Oder würde sich der Gast auch an einem festen Ort wohl fühlen?

Wir hoffen euch hat dieser weitere Einblick ins Seminar gefallen und freuen uns darüber euch diese tolle Idee von Martina vorstellen zu dürfen.

In der nächsten Veranstaltung geht es um RAUM UND MATERIAL. Wir sind gespannt! Ihr auch?

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