Streetart und Geschichten de Paris

Auf unserer Erkundungstour durch Paris hatten wir unsere Blogger-Brille auf und Dank dieser konnten wir auch die kleinen Gesten der massigen Metropole erspähen. Aufgefallen ist uns, dass die Graffitikünstler dort sehr viel mit Schablonen und Karton arbeiten.

Diese Miezekatz, zum Beispiel, hat uns jeden morgen auf dem Weg zum Gare du Nord begrüßt. Ihrem äußeren Zustand nach zu urteilen, hat sie schon so mancher Schlechtwetter-Attacke standgehalten und bleibt ihrem Revier treu.

Katz

Auch zum Thema Formen aus Karton passt dieser Diamant, der sich da in die Schmuddelecke geschmuggelt hat.

Diamant

Diese zwei schablonierten Herrschaften gibt es bestimmt an einigen Stellen in der Stadt. Uns ist er zwei Mal begegnet. Einmal mit Regenschirm alla Gene Kelly’s ’singing in the rain‘ und dann als Kakadu verkleidet mit pinkem Lippenstift. Witziges Tierchen…

Pinguin RegenschirmPinguin Pink

Ein ganz besonderer Ort war ‚Les Frigos‘. Gelegen im Quartier de la Gare in unmittelbarer Nähe des Gare d’Austerlitz an der Rue des Frigos. In dem ehemaligen Kühllager haben sich seit 1980 Künstler und Kunstschaffende niedergelassen. Schon von außen kann man erkennen, dass die Nutzung hier anders ist. Es wird dort sowohl gewohnt, als auch gearbeitet. Künstler werkeln und kreieren in Ateliers, Werkstätten oder an der Hausfassade, Schauspieler und Tänzer bewohnen die oberen Geschosse. Die ganze Atmosphere hier schreit nach Kreativität und Abgrenzung zur ‚gewöhnlichen‘ Welt. Es macht den Anschein, als wäre man hier gern unter sich. Aber einmal im Jahr dürfen auch neugierige Muggel-Nicht-Künstler durch die Ateliers und Werkstätten tingeln und kreative Luft schnuppern. Überhaupt ist die ganze Nachbarschaft ein Paradoxon. Direkt neben der Künstler-Insel gibt es ein skurriles Manga-Café, wo es alle möglichen und unmöglichen Kostüme und Zubehöre zu kaufen gibt, die jedes Cosplayer-Herz höher schlagen läst und gegenüber befindet sich ein stinknormales Wohnquartier mit Geschosswohnungsbau.

Atelier Les FrigosBeim Sprayen am Les FrigosLes Frigos

Je weiter man sich vom florierenden Zentrum entfernt, desto härter wird auch die Bildsprache. Hier gibt es keine süßen Pinguine mehr, die naiv an der Hauswand entlang tänzeln, keine glitzernden Diamanten oder von Künstlerhand gezeichnetes Graffiti. Hier spiegelt sich die Lebenssituation der Menschen auch an den Hauswänden wieder. Das Quartier Floréal-Saussaie-Courtille in der Vorstadt St. Denis war in der Vergangenheit hauptsächlich aus den Medien bekannt, wenn mal wieder Autos in Paris brannten und es Straßenschlachten gab.

Graffiti im Quartier Floréal-Saussaie-Courtille in St. Denis

Seit 2000/2001 ist das Viertel in einem Soziale-Stadt-Programm (Politique de la ville), ähnlich dem unseren. Dabei werden mit Hilfe von staatlichen und kommunalen Geldern sowohl bauliche Veränderungen, als auch soziale Interventionen vorgenommen. Und es hat sich gelohnt! Natürlich sieht und spürt man immer noch, dass es sich um einen Randbezirk handelt mit rauerer und härterer Atmosphere. Wir sind eben nicht mehr im Zentrum der Achsen-Stadt mit der pompösen Haussmann-Architektur und den großen Gesten begleitet von schicken Fassaden und süßen Cafés. Aber trotzdem fühlt man sich nicht unwohl. Durch die Neugestaltung der Hauseingänge sowie die kind- und teenagergerechte Aufwertung des öffentlichen Raums gibt es keine bedrohlich wirkenden Orte. Zumindest nicht bei Tageslicht und als wir da waren. Nachdem die Bewohner in die Planungen mit einbezogen wurden, scheinen sie sich offensichtlich für ihr Umfeld verantwortlich zu fühlen und achten darauf. Es gibt keinen herumliegenden Müll oder offensichtliche Unorte. Das zeigt doch, dass wir als Planer auch solchen Orten wieder Auftrieb geben können, ohne das Vorhandene abzureißen und die Bewohnerschaft durch teurere Neubauten zu vertreiben. Alle können dort noch leben – mittlerweile sogar besser leben.

Quartier Floréal-Saussaie-Courtille in St. Denis

Fußballfeld Saint Denis

… Histoires de Paris 🙂

Ein Gedanke zu „Streetart und Geschichten de Paris

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