Weil Stuttgart neues Shopping will?!

Es ist kurz nach halb acht. Am Stuttgarter Hauptbahnhof am Bahnsteig der U-Bahnen in Richtung Stadtbibliothek ist die Hölle los. Nein, das ist nicht der übliche Berufsverkehr, das sind Shoppingwütige Stuttgarter, die, wie wir, unterwegs zur Eröffnung des Milaneo sind.

Beim Anblick der überfüllten U-Bahn wird uns ganz anders zumute und wir entscheiden uns, zu Fuß zu gehen. Wir reihen uns in den Strom herausgeputzter Banker ein, die ebenfalls auf dem Weg ins Europaviertel sind. Zum Arbeiten versteht sich, nicht zum Shoppen. Die wahren Earlybirds kommen uns bereits voll bepackt mit Media Markt Tüten entgegen. Sechs Uhr war uns dann doch eine Nummer zu früh!

Einkaufstüten und zahlreiche Schilder weisen uns also auf den letzten Metern den Weg zum größten Shoppingcenter Baden-Württembergs. Die Menschenmasse vom Hauptbahnhof und noch viele andere mehr, warten bereits vor den noch verschlossenen Türen. Es scheint, als würde Stuttgart tatsächlich neues Shopping wollen…

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Pünktlich um acht Uhr öffnen sich dann die Tore. Anders als bei der Eröffnung des Gerber im September gibt es heute keine offiziellen Ansprachen und es wird auch nicht feierlich ein Band durchgeschnitten. Bloß keine Zeit verschwenden, die Leute sollen und wollen ihr Geld ausgeben. Wir beobachten wie die überwiegend junge Kundschaft in Richtung Primark und Snipes stürzt. Noch um 10 Uhr wird die Schlange vor dem Snipes immer länger. Sollten die nicht eigentlich alle in der Schule sein?

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In den beiden anderen Gebäudeteilen, fernab von Primark und Snipes, ist von dem Trubel nicht viel zu spüren. Wir erkunden ganz in Ruhe den Konsumtempel, der nach den Raumthemen „Nature“, „Urban“ und „Modern“ gestaltet ist. „Nature“ ist leicht zu erkennen. Sitzmöbel die an Baumstämme erinnern, viel Holz, Blätter als Dekoelemente und die Farbe Grün dominiert. Bei „Urban“ und „Modern“ wird’s schon kniffliger. OK, die Sitzelemte mit Pflanzbeet könnten prinzipiell auch unter freiem Himmel stehen. Das soll wohl die Urbanität sein. Grafische Muster und kühle Materialien wie Metall und Glas stehen hier wohl auch für eine urbane Atmosphäre.

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Die durchgestylten Sitzmöbel in der Foodlounge sind noch unberührt. Der starke Duft von Knoblauch liegt zwar schon um 9.30 Uhr in der Luft, aber die kauflustigen Besucher sind noch damit beschäftigt, Schnäppchen zu jagen.

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Wir haben fürs erste genug gesehen und verlassen das Milaneo. Auf dem Mailänder Platz haben sich inzwischen auch verschiedene Grüppchen von Demonstranten eingefunden. Die einen wollen auf den Feinstaub aufmerksam machen, der von dem erhöhten Verkehr zum Milaneo ausgeht. Die anderen auf die Arbeitsbedingungen, unter welchen die günstigen Kleider hergestellt werden, die bei Primark und Co. angeboten werden. Wieder andere bringen ihren Unmut gegen den Konsumwahnsinn im allgemeinen zum Ausdruck.

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